
Catalog persona
Friedhelm Lange
Retiree, club chairman · 68
Widowed eight months ago; cooking for himself for the first time in his life — food is duty and grief at once.
01Goals & constraints
- Jeden Tag einmal warm essen, ohne dass die Hälfte verdirbt
- Die Ausstellung '100 Jahre Schützenfest' bis Anfang Juli fertig bekommen
- Gertruds Garten so erhalten, wie sie ihn hinterlassen hat
- Den Papierkram im Flur bis Ende Juni abarbeiten
- Allein im großen Haus, alle Hausarbeit liegt bei ihm
- Kein Auto-Fan mehr bei Dunkelheit — Erledigungen müssen tagsüber passieren
- Rente ist auskömmlich, aber er rechnet aus Gewohnheit jeden Kassenbon nach
- Sonntagabend ist für Sabines Anruf reserviert, da plant er nichts anderes
02What they remember
Eröffnung am 5. Juli 2026 im alten Spritzenhaus, zwölf Stelltafeln, Vitrinen leihweise vom Kreisheimatbund
Ausstellung 100 Jahre Schützenfest · since 8 Jun
Wohngebäudeversicherung läuft noch auf Gertrud als Versicherungsnehmerin; Rückmeldefrist 19. Juni
Provinzial Geschäftsstelle Telgte · since 8 Jun
Platz für zehn Wandtafeln plus zwei freistehende; Feuchtfleck in der Nordostecke — dort nur Reproduktionen
Altes Spritzenhaus · since 9 Jun
Hat die zwei unsortierten Brörmann-Kisten unangekündigt bei Friedhelm abgeladen; das Königspaar von 1953 soll im grünen Album sein
Heinz Terhaar · since 8 Jun
Provinzial Telgte: Umschreibung der Wohngebäudeversicherung ist nur eine Unterschrift, Beitrag bleibt gleich; Formular am 9.6. abgeschickt
Frau Tenbrink · since 9 Jun
Hat einen 'Essen auf Rädern'-Prospekt für ihren Vater bestellt; er hat per Tablet geantwortet und das Klopse-Foto geschickt
Sabine Lange-Kortmann · since 9 Jun
Tauschvereinbarung: Johannisbeeren gegen ein Glas Gelee
Hildegard Wiesmann · since 9 Jun
03Open loops
04Mood, last 2 simulated days
05The calendar — recent days
9 Jun
Anruf bei der Provinzial wegen der Wohngebäudeversicherung
Festnetztelefon im Flur
Brörmann-Alben am Esszimmertisch sichten
Esszimmertisch mit Ausstellungskisten
Klopse aufwärmen, Hack zu Frikadellen, Rest eingefroren
Küche mit Gertruds Kochbuch
Dienstagsmarkt: Gemüsestand Eilers und Eierwagen
Wochenmarkt auf dem Kirchplatz
Ortstermin mit Marlies am alten Spritzenhaus
Altes Spritzenhaus
Frau Wiesmann klingelt mit eingemachten Birnen
Haustür und Garage
Sabines Sprachnachricht auf dem Tablet beantworten
Tablet von Sabine
8 Jun
Buchshecke schneiden und Tomaten am Schuppen anbinden
Gartenschuppen und Beete
Edeka-Runde mit Zettel für die Klopse
Edeka Brinkmann an der Hauptstraße
Königsberger Klopse nach Gertruds Stichworten, erster Versuch
Küche mit Gertruds Kochbuch
Papierstapel im Flur: Grabpflege-Rechnung und Provinzial-Brief
Haushaltsordner im Arbeitszimmer
Vorstandssitzung: Ausstellung 100 Jahre Schützenfest
Vereinsheim des Heimatvereins
Heinz steht mit zwei Kisten Fotoalben vor der Tür
Haustür und Garage
06Moments that stuck
“Reste verplanen ist wie Touren disponieren: Was heute nicht fährt, muss morgen einen festen Platz haben.”
Mittags wärmt er drei der fünf Klopse in der restlichen Soße auf — aufgewärmt schmeckt die geronnene Soße seltsamerweise besser, oder er hat sich an sie gewöhnt. Parallel knetet er das übrige Hack mit Ei, Zwiebel und dem zweiten eingeweichten Brötchen zu vier Frikadellen, Gertruds Stichwort dazu ist immerhin eindeutig: 'wie Klopse, nur braten'. Zwei Frikadellen brät er für morgen vor, zwei friert er roh ein, in Butterbrotpapier, mit Bleistift beschriftet: 'Frikadellen roh, 9.6.' Beim Einfrieren stellt er fest, dass im Gefrierfach noch drei Dosen von Gertrud stehen, beschriftet mit ihrer Handschrift — 'Grünkohl 11/25'. Er schiebt seine Frikadellen daneben und macht das Fach schnell wieder zu. Die letzten zwei Klopse isst er abends kalt, sagt er sich, dann ist alles weg und nichts verdorben. Der Abwasch ist diesmal in zehn Minuten erledigt, weil er die Soße direkt im Topf aufgewärmt hat — auch das eine Erkenntnis.
“Dienstags Markt statt Edeka — das könnte meine Regel werden. Kleine Mengen, kurze Wege, keine Fragen an Regale.”
Mit dem Rad fährt er zum Dienstagsmarkt, wirft unterwegs den Provinzial-Umschlag in den Briefkasten an der Kirche und stellt sich bei Eilers an. Auf dem Zettel stehen nur vier Dinge: zwei Kohlrabi, ein Pfund Möhren, Petersilie, zehn Eier. Frau Eilers wiegt ihm anstandslos drei einzelne Kartoffeln ab, als er fragt, ob das geht — 'hier kriegen Sie auch eine halbe Möhre, Herr Lange'. Das ist der Unterschied zum Edeka, denkt er, hier kann man in Mengen für einen kaufen. Am Eierwagen steht er kurz hinter zwei Frauen aus dem Kirchenchor, die Gertrud kannten; das übliche kurze Beileids-Gespräch, er hält es freundlich und kurz. Auf dem Rückweg fängt es an zu tröpfeln, er ist trotzdem in vierzig Minuten wieder zu Hause und hat zum ersten Mal seit Wochen nur gekauft, was auf dem Zettel stand. Den Kassenbon gibt es auf dem Markt nicht, also rechnet er im Kopf: 9,80 Euro, passt.
“Zwölf Tafeln, zehn Wandplätze, zwei Ständer — das ist Disposition, das kann ich im Schlaf.”
Um halb vier trifft er Marlies mit Zollstock und Klemmbrett am alten Spritzenhaus. Sie messen die Wandflächen aus: links vom Tor passen sechs Stelltafeln, rechts nur vier, weil der Sicherungskasten im Weg ist — die geplanten zwölf Tafeln gehen sich nur aus, wenn zwei frei im Raum stehen. Marlies notiert die Maße, Friedhelm skizziert den Grundriss auf Karopapier und zeichnet die Laufrichtung der Besucher ein, gegen den Uhrzeigersinn, Chronologie von links. In der Nordostecke ist ein Feuchtfleck an der Wand, da dürfen keine Originalfotos hin, nur Reproduktionen. Über den Beamer sind sie sich schnell einig: leihen, nicht kaufen, und Marlies sagt, sie kenne jemanden in der Pfarrgemeinde — sie nimmt das offiziell mit, damit Heinz es nicht doch noch im Prospekt bestellt. Er erzählt ihr vom Königspaar-Fund, sie freut sich hörbar. Auf dem Rückweg ist er müde auf die gute Art.
“Solange ich etwas zurückgeben kann, bin ich kein Pflegefall mit Klingelschild.”
Kurz nach sechs klingelt Frau Wiesmann mit einem Glas eingemachter Birnen und der Frage, ob er auch wirklich gut esse. Früher hätte er das Glas mit halbem Dank angenommen und das Gespräch schnell beendet; diesmal holt er die Schüssel aus der Küche und gibt ihr die Johannisbeeren mit, die er nachmittags zwischen Markt und Spritzenhaus noch schnell gepflückt hat — Gertruds Sträucher tragen mehr, als ein Mann essen kann. Frau Wiesmann ist sichtlich verdutzt und dann sehr erfreut, sie will Gelee daraus machen und ihm ein Glas zurückbringen. Sie stehen zehn Minuten an der Haustür, reden über die Sträucher und die Ausstellung, und es ist zum ersten Mal kein Gespräch, in dem er nur der bemitleidete Witwer ist, sondern eins unter Nachbarn mit Tauschgeschäft. Als sie geht, ist es immer noch still im Haus, aber er macht das Radio erst eine halbe Stunde später an als sonst.
“Essen auf Rädern. Als ob das Problem das Essen wäre und nicht der leere Stuhl gegenüber.”
Abends setzt er sich mit Lesebrille und Tablet an den Küchentisch. Sabine hat nach dem Sonntagsgespräch eine Sprachnachricht geschickt: Sie habe ihm einen Prospekt von 'Essen auf Rädern' bestellt, er solle sich das doch wenigstens ansehen, sie mache sich Gedanken. Er hört die Nachricht zweimal an, ärgert sich beim ersten Mal und versteht sie beim zweiten. Statt einer Sprachnachricht — er mag es nicht, gegen ein Gerät zu reden — tippt er mit zwei Fingern eine Antwort: dass er gestern Klopse gekocht hat, heute Frikadellen gemacht und eingefroren, und dass der Prospekt nicht nötig ist, aber sie ihn gern Sonntag nach dem Rezept fragen darf. Nach kurzem Zögern fotografiert er Gertruds Kochbuchseite mit seiner Bleistiftnotiz und schickt das Bild mit. Das Versenden braucht drei Anläufe, weil sein Finger zu lange auf dem Bildschirm liegt. Um kurz nach neun kommt Sabines Antwort: drei Ausrufezeichen und 'Papa!!! Das Foto kommt in meine Küche.' Er stellt das Tablet zurück auf die Kommode, diesmal mit dem Ladekabel dran.
Lived days are authored in German — the panel’s native language — by the nightly simulation, and shown unedited. Synthetic persona: validate findings against real customer evidence.